Mit Schmuck helfen

17.11.2017:  Text © Schwäbisches Tagblatt GmbH

Abbildungen: © Hofrichter

Mit Schmuck helfen

Spendenaktion: Die Kolpingsfamilie Ergenzingen unterstützt vier Kinder in Ghana. Sie verkauft dort gefertigte Halsketten, um deren Schulgeld zu finanzieren.

Von Andreas Straub

Zwischen sieben und siebzehn Jahre alt sind Dionne Owusu-Edusei, Gabriella, George und Raphael Bediako. Sie leben in Kumasi in Ghana und träumen davon, später einmal eine eigene Familie zu gründen, Arzt, Richter oder Rechtsanwalt zu werden.

Claudia Hofrichter, geistliche Leiterin und zweite Vorsitzende der Kolpingsfamilie Ergenzingen, hat die Familien und ihre Geschichten im Sommer 2014 bei einem Besuch in Ghana kennengelernt. Im Herbst 2016 war sie erneut dort. „Für den Sommer 2018 plane ich den nächsten Besuch“, sagt Hofrichter. Zusammen mit Ruth Esteves von der Buchhandlung Theo-Buch hat sie eine Aktion initiiert, um das Schuldgeld der vier Kinder zu finanzieren: Eine Mutter fertigt Schmuck, den Theo-Buch verkauft.

Die Mütter sind alleinerziehend und arbeitslos. „Die Familien leben in Existenznot und müssen unter besonders schweren Bedingungen ihren Lebensunterhalt sichern“, sagt Hofrichter. Es reiche gerade so für Essen, Miete, Strom und Kleidung. Die schulische Bildung ihrer Kinder sei den Müttern sehr wichtig. Und gute Schulen kosten in Afrika Geld. „Nur so haben sie eine Chance in der Zukunft“, sagt Hofrichter.

Es sei wunderbar zu beobachten, mit welchem Fleiß und Engagement die Kinder in die Schule gehen. „Mir fiel gleich das bestechende Lachen der Kinder im Schulhof und in den Klassen auf.“ Die Kinder und Jugendlichen würden in der Pause und zu Mittag mit gutem Essen versorgt. Für alle vier Kinder beträgt das Schulgeld laut Hofrichter derzeit etwa 5000 Euro. Darin enthalten sind Unterricht, Bücher und andere Lehrmaterialien, Schulkleidung, Fahrten mit dem Schulbus und Essen in der Schule. Die Kosten steigen mit Alter und Schulstufe der Kinder jeweils leicht an. Für den Wechsel in die nächste Schulstufe und zur Zulassung zu Prüfungen müssen Registrationsgebühren entrichtet werden.

Nach dem bestandenen Abitur hat Jugendgruppenleiterin Emilia Welte aus Eckenweiler die Kinder und deren Mütter in Ghana besucht. Offen und fröhlich sei sie von den Menschen empfangen worden, sagt sie. „Im Gegensatz zu staatlichen Schulen sind die katholische Schulen, in die die vier Kinder gehen, gut ausgestattet und haben sehr engagierte Lehrerinnen und Lehrer.“

Juliet Bediako, die Mutter von Gabriella, George und Raphael, begann mit der Herstellung von Halsschmuck, als sie ihren Job verlor, erzählt Hofrichter. Der Versuch, einen Friseursalon zu gründen, scheiterte an den Rahmenbedingungen. Mit viel Liebe stelle sie seither echte Unikate her. Bediako selbst sagt, das sei ein Teil von ihr geworden. Sie liebe die Bastelarbeit. „Das spürt man, wenn man ihr zuschaut und wenn sie einen motiviert, es selbst zu versuchen“, sagt Hofrichter. Die Arbeit helfe Bediako, den Kopf frei zu bekommen und nach vorne zu schauen. Die Designs, mal traditionell und mal modern, sind eigene Ideen. Die Perlen, teils aus recyceltem Plastik hergestellt, kommen aus Koforidua, einer Stadt im Südosten Ghanas. 23 Euro kostet eine Halskette bei Theo-Buch.

Informationen zum Projekt bei Theo-Buch

Einblicke in das Land Ghana bieten Schüler/innen des Sankt-Meinrad-Gymnasiums am Donnerstag, 30. November, um 18.30 Uhr in der Buchhandlung Theo-Buch in der Karmeliterstraße 2. Vorgestellt werden Männer, die aus Ghana kommen und hier als Priester arbeiten werden. Sie sprechen von ihren Erwartungen, Eindrücken, Anforderungen und Gefühlen. Zu sehen sind Bilder aus Ghana, zur Situation der Menschen und der Schulbildung. Theo-Buch informiert zudem über ein Projekt zur Finanzierung des Schulbesuchs der Kinder zweier Familien. Auch Live-Musik ist an diesem Abend zu hören.

Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung © Schwäbisches Tagblatt GmbH